Leder · Übersicht
Leder - der große Überblick
Leder ist nicht gleich Leder. Entscheidend sind zwei Fragen: Aus welcher Schicht der Haut stammt es - und wie wurde die Oberfläche behandelt? Hier finden Sie beides auf einen Blick.
Was darf sich überhaupt Leder nennen?
Nach der europäischen Norm DIN EN 15987 ist Leder eine gegerbte Tierhaut, deren natürliche Faserstruktur weitgehend erhalten ist. Ohne Zusatz darf ein Material nur dann 'Leder' heißen, wenn eine aufgetragene Beschichtung höchstens 0,15 mm dick ist - bei dickerer Beschichtung spricht man von 'beschichtetem Leder'. Material aus zermahlenen Lederresten (Lederfaserstoff) ist kein Leder, und Leder ohne Narbenschicht wird als Spaltleder bezeichnet.
Frage 1: Aus welcher Schicht stammt das Leder?
Eine Rinderhaut ist für Möbel meist zu dick und wird deshalb waagerecht gespalten. Die obere Schicht mit der natürlichen Hautoberfläche heißt Narbenspalt - daraus entstehen die hochwertigen Qualitäten. Die untere Schicht heißt Fleischspalt und liefert Spaltleder.
Frage 2: Wie wurde die Oberfläche behandelt?
Nach dem Gerben wird Leder gefärbt und 'zugerichtet', also mit einer Oberfläche versehen. Je weniger Deckschicht, desto natürlicher und weicher - aber auch empfindlicher. Je mehr Deckschicht, desto pflegeleichter und gleichmäßiger.
Woran erkennen Sie echtes Leder?
Echtes Leder hat feine, unregelmäßig verteilte Poren und kleine natürliche Merkmale wie Mastfalten oder verheilte Kratzer. Es fühlt sich nach kurzer Berührung warm an. Kunstleder zeigt dagegen ein sich wiederholendes, sehr gleichmäßiges Muster, und an der Rückseite sehen Sie meist ein Trägergewebe statt eines Fasergeflechts.
| Qualität | Was es ist | Typische Stärke bei Möbeln | Preisniveau |
|---|---|---|---|
| Vollnarbenleder | Narbenschicht vollständig erhalten, nicht geschliffen | ca. 1,0 bis 2,0 mm | hoch |
| Top-Grain-Leder | Narbenschicht leicht angeschliffen, mit Schutzschicht | ca. 0,8 bis 1,5 mm | mittel bis hoch |
| Korrigiertes Narbenleder | stark geschliffen, Narbenbild aufgeprägt | ca. 0,8 bis 1,2 mm | mittel |
| Spaltleder | untere Hautschicht ohne natürliche Narben | ca. 0,6 bis 1,5 mm | niedrig |
| Lederfaserstoff | zermahlene Lederfasern mit Latex- oder PU-Binder - kein Leder | Plattenmaterial | sehr niedrig |
| Zurichtung | Optik & Haptik | Fleckenschutz | Patina | Ideal für |
|---|---|---|---|---|
| Anilin | sehr natürlich, weich, warm | gering | stark | Liebhaber, ruhige Räume |
| Semianilin | natürlich, weich, etwas gleichmäßiger | mittel | leicht | Wohnzimmer, Alltag |
| Pigmentiert | gleichmäßig, etwas kühler | hoch | kaum | Familien, Kinder, Haustiere |
Häufige Fragen
Ist dickeres Leder automatisch besser?
Nicht unbedingt. Die Stärke sagt vor allem etwas über Reißfestigkeit und Griff aus. Wichtiger für die Haltbarkeit sind die Schicht (Narbenspalt oder Fleischspalt) und die Qualität der Zurichtung. Für Polstermöbel sind etwa 0,9 bis 1,4 mm üblich.
Was bedeutet 'Echtleder'?
Der Begriff ist nicht geschützt und sagt nur aus, dass es sich um Leder und nicht um Kunstleder handelt. Aussagekräftiger sind die Angaben zur Schicht und zur Zurichtung, die Sie bei uns auf jeder Produktseite finden.
Warum sieht jedes Ledermöbel etwas anders aus?
Jede Haut ist ein Naturprodukt. Leichte Farbunterschiede, Mastfalten oder kleine verheilte Narben sind kein Mangel, sondern ein Echtheitsmerkmal.